MORE Nutrition wurde 2017 von Christian Wolf und Michael Weigl gegründet, später kam Benjamin Burkhardt dazu. Aus der Fusion mit ESN entstand 2020 die The Quality Group, heute über 900 Mitarbeiter, für 2025 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz prognostiziert, über 80 Prozent davon in Deutschland. Das Bemerkenswerte ist nicht die Zahl. Es ist der Weg. Kaum jemand hat MORE über eine klassische Anzeige kennengelernt. Die Marke wuchs über Social Video und eine Gründerfigur, die selbst zum Inhalt wurde.
Der Gründer war der Kanal
Der entscheidende Kniff war nicht ein besseres Proteinpulver. Es war, dass eine Person sichtbar Verantwortung übernahm, statt einer anonymen Firma. Das senkt die Vertrauenshürde, und es lädt ein Produkt emotional auf. Wolf und Weigl hatten anfangs vergleichsweise kleine Reichweiten, aber eine loyale Community mit wenig Streuverlust. Wolf selbst hat den eigentlichen Grund einmal offen benannt:
„Ich war froh, dass ESN Social Media noch nicht verstanden hatte."Christian Wolf, über den Merger mit dem größeren Wettbewerber
Übersetzt: Der große Wettbewerber hatte den Kanal verschlafen. Nicht das Budget hat entschieden, sondern wer den neuen Verteilweg zuerst ernst nahm.
Reichweite mieten gegen Reichweite säen
Hier liegt der Bruch mit dem klassischen Marketing. Der alte Weg mietet Aufmerksamkeit: Sie zahlen Meta oder Google, die Plattform zeigt Ihre Anzeige, Sie hören auf zu zahlen, die Sichtbarkeit hört auf. Der MORE-Weg sät Aufmerksamkeit: Inhalt und Anreiz gehen ins Ökosystem, und das Ökosystem verteilt weiter. Über hundert Kooperationen mit Creatorn, personalisierte Rabattcodes, ein eigener Direktvertrieb. Die Reichweite wird von vielen Konten getragen, nicht zentral eingekauft.
Der ökonomische Charme dahinter: Weil die Auszahlungen an tatsächliche Verkäufe koppeln, kostet der Weg fast nichts, wenn er nicht funktioniert, und skaliert, wenn er funktioniert. Das Risiko liegt beim Verteiler, nicht bei der Marke. Das ist im Kern Guerilla-Videomarketing: nicht die teuerste Anzeige gewinnt, sondern der Inhalt, den ein Netzwerk freiwillig weiterträgt.
Die Kehrseite, die man nicht überspringen darf
Und genau hier wird es ehrlich. Wer selbst im Mittelpunkt steht, wird zum Prüfstein für die ganze Marke. Jede Aussage, jedes Video, jede Reaktion wirkt direkt auf das Unternehmen zurück. Bei MORE und Wolf hieß das wiederholte Shitstorms, Kritik an Werbeversprechen, eine Auseinandersetzung mit der Verbraucherzentrale, 2023 der Rückzug aus dem operativen Geschäft, und 2026 erneut heftige Kritik nach einer entgleisten Aussage. Die Nähe, die das Modell stark macht, macht es zugleich verwundbar. Sichtbarkeit ohne Substanz und ohne Haltung schlägt zurück, gerade in einem sensiblen Feld wie Ernährung.
Was Sie mitnehmen sollten
Die Lektion ist nicht „werden Sie lauter". Die Lektion ist unbequemer und nützlicher: In einer Welt, in der jeder verteilen kann, entscheidet die Qualität dessen, was verteilt wird. Der Zugang zur Distribution ist heute Massenware. Gutes Ausgangsmaterial ist es nicht. Reichweite gehört zunehmend dem, der Video produziert, das ein Netzwerk tragen kann, nicht dem, der das größte Anzeigenbudget hat.
Für Sie heißt das zweierlei. Erstens: Video ist nicht mehr die Kür, sondern der Motor. Zweitens, und das ist die Reihenfolge, die MORE instinktiv richtig gemacht hat: erst verstehen, wonach Ihre Zielgruppe wirklich sucht und worauf sie reagiert, dann produzieren. Nicht umgekehrt. Wer nur produziert und hofft, mietet am Ende doch wieder teure Reichweite.
Quellen: Forbes, Der Spiegel, Die Zeit, Wikipedia, Gründer.de. Umsatz- und Unternehmensangaben beziehen sich auf die The Quality Group, die Gruppe hinter MORE Nutrition und ESN. Stand der Recherche: Juli 2026.
Erst messen, dann produzieren.
Genau da setzen wir an. Nicht mit lauter, sondern mit gemessen: Wir prüfen zuerst die Nachfrage Ihrer Zielgruppe, dann bauen wir das Format, das sie trägt.
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